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Die Kunst des Flintenschießens

Neues aus Warder

Seit über zwei Jahren ranken Gerüchte um einen möglichen Ausbau des Schießstandes in Warder, aber bislang war wenig konkretes zu sehen oder zu erfahren.

Geplant ist die Verlegung der jetzigen Skeetstände um rund 100 Meter. An der enuen Position sollen drei Anlagen erstellt werden, die durch einen Wall begrenzt werden. Dieser Wall dient als Lärmschutz- und Auffangvorrichtung für Schrote. Auf den Wall wird dabei eine Folie montiert, so dass die aufgefangenen Schrote einfach abgefegt werden können. Der Wall selber soll dabei aus dem Erdreich des bisherigen Standes erstellt werden. Die Lärmbelastung soll nach Angaben des ausführenden Architekts, Thomas Pahl, um rund 5 Dezibel sinken.

Neben dem Umbau des Wurfscheibenstandes sind auch mehrere Kugelbahnen geplant. Diese sollen unterirdisch angelegt und für Pistolen- und Büchsenschießen geeignet sein.

Finanziert wird der mehr als 2 Millionen Euro teure Um- und Ausbau der Anlage, die dann olympischen Ansprüchen genügen soll, von der dem Hamburger Unternehmer Oliver Schwarzkopf gehörenden Gesellschaft Schießsportzentrum Schleswig-Holstein.

Den Kommunalpolitikern der Gemeinde geht das Vorhaben allerdings zu weit. Die Argumente von Patrick Quast, Geschäftsführer der Schießstand Warder GmbH, dass die Region von dem Schießstand wirtschaftlich profitieren würde, akzeptieren sie nicht. Bürgermeister Jürgen Lucht formuliert eine allen Schützen altbekannte Aussage gegenüber den Kieler Nachrichten: "Unter dem Sport einiger weniger, darf nicht das ganze Dorf leiden."

Dass die Geschichte nun in die Presse gelangt ist, dürfte der Versuch der Gemeinde sein, Bürger gegen den Umbau des Standes zu mobilisieren. Die Investoren gehen davon aus, dass es sich um ein privilegiertes Bauvorhaben handelt, so dass die Zustimmung der Gemeinde nicht erforderlich ist, sondern der Kreis Rendsburg-Eckernförde die Genehmigung erteilen kann. Das bestätigt auch Kurt Walther vom Umweltamt in Kiel.

[Update 21. Oktober 2005] 

Das Verhalten des Bürgermeisters Jürgen Lucht, Mitglied der Allgemeinen Wählergemeinschaft - Bürger für Warder, erscheint jedoch befremdlich. So hat die Gemeindevertretung der Gemeinde Warder, in der 5 Mitglieder der Wählergemeinschaft 4 Mitgliedern der CDU gegenüber stehen, erst am 3. August 2005 die Fortschreibung des Flächennutzungsplanes, der die Anordnung zusätzlicher Freiluft-Schießanlagen vorsieht, einstimmig beschlossen. Gleichzeitig ruft die Wählergemeinschaft die Bürger auf ihrer Homepage dazu auf, sich an einer Bürgerinitiative gegen den Schießstand in einer Nachbargemeinde zu beteiligen.

[Update 16. November 2005]

Wie die Kieler Nachrichten heute berichten, hat der Kreis Rendsburg-Eckernförde das sogenannte Einvernehmen für das privilegirte Bauvorhaben nicht erteilt. Damit liegt das Bauvorhaben erneut auf Eis. Allerdings ist über den Flächennutzungsplan noch nicht entschieden. Und auch die Gemeinde hat durch Bürgermeister Lucht erklären lassen, dass diese nicht grundsätzlich gegen einen Ausbau des Schießstandes sei. Letzteres ist erstaunlich, hat doch die Wählergemeinschaft sich bisher gegen den Stand ausgesprochen.

Thomas Pahl erklärte indes gegenüber den Kieler Nachrichten, dass eine Überprüfung der Entscheidung des Kreises vor dem Verwaltungsgericht erfolgen solle.

Die Bürgerinitiative aus der Nachbargemeinde Groß Vollstedt geht indes einen Schritt weiter und will den Schießstand geschlossen wissen. Gestärkt fühlt sich die Bürgerinitiative durch die Tatsache, dass bei einer Informationsveranstaltung am 14. November mehr als 300 Zuhörer anwesend waren, so dass der angemietete Raum zu klein war, und dass der Referent des Innenministers Ralf Stegner (SPD) die Stimmung gehoben hat.

[Update 5. Februar 2006]

Wie die Kieler Nachrichten am 19. Januar 2006 berichteten, hat Schwarzkopf gegen die Ablehnung des Bauantrages Widerspruch beim Verwaltungsgericht Schleswig eingelegt. Gleichzeitig scheint die Warderaner Bürgerinitiative BISS die Zähne verloren zu haben:  Eckhard Helmbold, Vorsitzender der Bürgerinitiative gegen den Schießstand aus Groß Vollstedt gab auf der Mitgliederversammlung am 20. Januar bekannt, BISS hätte sich ihnen angeschlossen (siehe auch Kieler Nachrichten vom 24. Januar). Das lässt vermuten, dass in Warder selbst eine nicht ausreichende Zahl von Bürgern gegen den Schießstand mobilisiert werden konnte.

Die weitere Entwicklung dürfte durchaus von Interesse für Schleswig-Holstein sein. 

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